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Echos aus dem Äther – Der Fall LK0NOD
#10
Kapitel 10 – Das Signal, das nicht sterben konnte

Er verließ den unterirdischen Funkraum schneller, als er es sich eingestehen wollte.
Die Treppe hinauf, raus aus der Halle, rein in die kalte Nachtluft.

Sein Atem dampfte.
Sein Puls raste.

Doch das Funkgerät…
das Funkgerät blieb absolut still.

Nicht einmal ein Grundrauschen.

Als hätte das Band für einen Moment den Atem angehalten.

Er setzte sich ins Auto, startete den Motor – und erst dann begann der SDR leise wieder zu knistern.
Vorsichtig stellte er die vorherige Frequenz ein.
Die 27025 kHz.

Nichts.

Doch als er die Bandbreite erweiterte, hörte er es:

Ein winziger, wiederkehrender Impuls.
Alle exakt 11 Sekunden.

Er spielte den Impuls ab.
Es war kein Burst.
Kein Datenpaket.
Es war… eine Art Trägersignal.
Konstant.
Dünn.
Als würde jemand eine Tür ganz langsam öffnen und wieder schließen.

Er verglich den Impuls mit seinem alten Material.

Und dann sah er es.

Die Form war identisch mit Ravens letztem bekannten Trägersignal.
Nicht ähnlich.
Identisch.
Bit für Bit.

Aber diesen Impuls konnte Raven nicht senden.
Nicht nach all den Jahren.
Nicht mit einem Gerät, das in einem dunklen Keller hingeschraubt war.

Etwas anderes sendete das.
Etwas, das Zugriff auf Ravens letzte Übertragung hatte.

Er zoomte weiter in die Spektrumanzeige.

Neben dem Impuls tauchte ein Muster auf, kaum wahrnehmbar:

LK0NOD
In Morse.
Langsam.
Zögerlich.
Jedes Zeichen wie ein Tropfen in einem schwarzen See.

Er fröstelte.

Wusste er, dass ich hier bin?

Er wechselte auf die Wasserfallansicht – und erstarrte.

Das Muster wiederholte sich immer wieder:

.-.. / -.- / —– / -. — -..

LK0NOD.

Wie ein Herzschlag.
Wie ein Countdown.

Als würde jemand ihn auf dem Band markieren.

Er wollte das Signal triangulieren, doch dann veränderte sich der Impuls.
Wurde breiter.
Unruhig.

Dann – ein kurzer Textburst.
Ein Paket.

Er fing es ab, speicherte es und öffnete es im Decoder.

Der Bildschirm blieb für Sekunden schwarz.
Dann erschien eine einzige Zeile:

ARCHIV 05 aktiv.
Ursprung: unbekannt.
Ziel: LK0NOD

Sein Atem stockte.

Archiv 05?
Es gab also noch mehr dieser Module.

Er zoomte tiefer in das Burst-Fragment – und da war noch etwas.
Ein Teil eines älteren Protokolls.
Ein Datensatz von 1998.
Ravens Format.

Der Name „RAVEN“ tauchte auf.

Dann verschob sich das Bild.
Ein Text, flackernd, als würde er aus zwei Ebenen bestehen:

„Er ist nicht verschwunden.
Er wurde übernommen.“

Der Operator wich zurück.
Das konnte nicht sein.
Nicht technisch.
Nicht logisch.

Ein weiterer Burst schlug ein.
Das Display zuckte.
Der Lautsprecher verzerrte.
Dann eine Stimme – dieselbe tiefe, hohle Stimme aus dem Kellerraum.

Diesmal aber klarer.
Nähe.
Direkt.

„Du folgst seiner Spur.
Genau wie geplant.“

Er griff reflexartig nach der PTT – obwohl er wusste, dass man auf das nicht antwortet.

Die Stimme sprach weiter, als würde sie seine Gedanken hören:

„Raven hat die Tür geöffnet.
Du wirst sie schließen.
Oder du wirst ihn ersetzen.“

Er fror.

Die Frequenz brach plötzlich in Rauschen zusammen.
Dann absolute Stille.

Er wollte das Log speichern – aber am unteren Rand erschien eine neue Zeile.
Nicht von seiner Software.

Von außen:

„Kapitel 11 beginnt, sobald du den nächsten Ort findest.“

Kein Absender.
Keine Quelle.
Die Zeile war einfach da.

Und darunter – Koordinaten.

Ein Waldstück.

Nur wenige Kilometer von seinem Wohnort entfernt.
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RE: Echos aus dem Äther – Der Fall LK0NOD - von DQB906 - 21.11.2025, 07:46

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