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Echos aus dem Äther – Der Fall LK0NOD
#11
Kapitel 11 – Die Koordinaten

Es war bereits nach Mitternacht, als er die Landstraße erreichte, die in das Waldstück führte.
Der Himmel war mondlos, schwer und tief.
Nur die Scheinwerfer seines Wagens schnitten schmale Schneisen in die Dunkelheit.

Die Koordinaten, die auf mysteriöse Weise in seinen Logs aufgetaucht waren, waren eindeutig.
Kein Zahlendreher.
Kein Fehler.
Ein Ort.
Absichtlich gesetzt.

52°… N – 8°… E
Ein Wald, der eigentlich völlig unbedeutend war.
Wenig Wege, kaum Wanderer, feuchte Erde, dichter Nadelwald.

Er parkte am Rand des Forstwegs, schaltete den Motor aus, griff nach seiner Taschenlampe – und nach dem kleinen tragbaren SDR-Empfänger.
Als er das Gerät einschaltete, hörte er sofort den 11-Sekunden-Impuls.

Nur… stärker.

Er atmete tief durch.
Dann betrat er den Wald.



Der Weg

Die Stille war unnatürlich.
Nicht die Stille der Nacht – sondern eine Stille, die absichtlich wirkte.
Kein Rascheln, kein Tier, kein Wind, nicht einmal das Knacken von Ästen unter seinen Schuhen schien normal zu klingen.

Dafür aber der Impuls.

Alle 11 Sekunden.

Er folgte der Richtung des stärksten Ausschlags.
Je tiefer er in den Wald ging, desto klarer wurde der Impuls, fast körperlich spürbar.

Nach etwa zwanzig Minuten erreichte er eine kleine Senke.
Feuchte Luft, Moos, umgestürzte Bäume.

Und dort stand etwas, das absolut nicht dorthin gehörte:

Ein Mast.
Aus Aluminium.
Etwa drei Meter hoch.
Mitten im Wald.

Leicht schief.
Am Boden in nassen Blättern versunken.

Daran befestigt:

Eine kurze Vertikalantenne.
Ein uralter wettergeschützter Stahlkasten.

Er kniete sich hin, leuchtete auf den Kasten – und sein Herzschlag beschleunigte sich.

Auf dem Metall stand eingeritzt:

RAVEN – 1998

Sein Mund wurde trocken.
Er hatte nie zuvor einen realen Hinweis aus Ravens damaliger Zeit in der Hand gehalten – und schon gar nicht an einem Ort wie diesem.

Er tastete vorsichtig die Kanten des Kastens ab.
Verschraubt.
Verrostet, aber nicht vollständig.
Man konnte ihn öffnen.

Er griff nach dem Schraubendreher in seiner Jackentasche – doch er kam nicht dazu.

In diesem Moment knackte der SDR-Empfänger.

Dann hörte er etwas, das ihn fast zu Boden drückte:

Stimmen.
Leise.
Nicht eine.
Mehrere.
Ein Flüstern, mit Verzerrung – aber eindeutig menschlich.

Er hob das Gerät näher ans Ohr.

„…er ist hier…“
„…nicht eingreifen… noch nicht…“
„…er soll es finden…“

Er drehte sich sofort um, leuchtete mit der Lampe in alle Richtungen.

Nichts.
Nur Dunkelheit.

Aber sein Körper wusste:
Er war nicht allein.

Er zwang sich zurück zum Stahlkasten.
Egal, wer da war – er musste wissen, was sich darin befand.

Er schraubte ihn auf.

Die Tür sprang mit einem rostigen Quietschen auf.

Innen sah er:
1. Ein kleiner, wasserdicht versiegelter TNC – uralt, handmodifiziert.
2. Ein Notstrom-Akku, völlig tot.
3. Ein analoger Datenrekorder – Kassette.

Und darüber, festgeklemmt unter einer Halterung:

Ein laminiertes Papier.

Er zog es heraus.

Darauf stand, in verblassender Schrift:

„Wenn du das liest, bist du nicht die Zielperson, sondern der Nächste.
LK0NOD ist das Tor.
Öffne es nicht.“

Er fror.

Die Stimmen im Empfänger verstummten.

Dann ein einzelner Satz, deutlich klarer als alles zuvor:

„Dreh dich nicht um.“

Er tat es trotzdem.

Und im Licht seiner Lampe sah er eine Silhouette zwischen den Bäumen stehen.
Regungslos.
Viel zu groß.
Viel zu schmal.

Und sie bewegte sich nicht – aber das Funkgerät empfing ihren Atem.
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RE: Echos aus dem Äther – Der Fall LK0NOD - von DQB906 - 22.11.2025, 20:39

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